Zentrum für Wissenschaft, Forschung und europäische Spiritualität

Tugenden – ein Auslaufmodell der Lebensgestaltung?‹

Donnerstag, 23.04.2020 um 18:15

Vortragsraum, Abtei St. Hildegard 1, Rüdesheim am Rhein, 65385

Europäische Spiritualität
  • Dr. Peter Jenztmik, Limburg

Eugen Biser, bedeutender Fundamentaltheologe, nach Karl Rahner Inhaber des renommierten Guardini-Lehrstuhls für christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an der Universität München wurde niemals müde zu betonen, dass das Christentum keine Moral ist, aber sehr wohl eine Moral hat. Und so verwundert es eigentlich nicht, dass Biser noch unter dem Eindruck des verheerenden, die Menschenwürde zerstörenden Zweiten Weltkriegs ein umfangreiches Werk über den „Kosmos der Tugenden“ verfasst hat, das - weil unveröffentlicht- bislang keine Beachtung bei der Würdigung seines theologischen Schaffens erfahren konnte. Hier nun soll nach einem Überblick über den „Kosmos der Tugenden“ ein Einblick in Bisers Ausführungen zu den die Würde des Menschen auszeichnenden „Tugenden der Erleuchtung“ gegeben werden, die, zwischen den weithin bekannten Kardinaltugenden und den so genannten Göttlichen Tugenden eingeordnet, deren Zusammenhang verdeutlichen und in dieser „Brückenfunktion“ für eine Besinnung auf die heute in einer globalisierten Welt so drängende Wertefrage bedeutsam sind. Es geht dabei um Gehorsam, Demut, Sanftmut und Barmherzigkeit als Tugenden einer „via illuminativa“, die Eugen Biser als Wegweisung zu einem von inkarnatorischem Geist erfüllten Dasein versteht.